Diamant

Mein Facebook-Freund Paul teilte bei Instagram ein Statement: „Life isn’t about finding yourself. It’s about creating yourself.“ Ich dachte über das Statement nach und schrieb dazu: „I think, it’s both. Somewhere deep in us, there is a core, the real self, which is there from the birth. Sometimes, depending on environment and circumstances, it is very hard to find. But once it’s found, it’s a great relief.“

Das hat mich zu diesem Gedicht inspiriert.

Diamant

Tausend Herzen, tausend Seelen
Sind mit einem Schloss versehn.
Doch ich kann den Schlüssel stehlen
Und die Seelen sehn.
Ich bereise fremde Welten,
Station für Station,
Geb mich hin der unverstellten
Faszination.

An so mancher hellen Seele,
Stell ich mit Erstaunen fest,
Summt und brodelt an der Quelle
Ein Hornissennest.
Oder einen stillen Wandrer,
Einen Wurm entdeck ich dort,
Der in weichen Herzen andrer
Dicke Tunnel bohrt.

Ich zieh weiter. Finde Seen,
Wo ein Schwarm Piranhas flitzt.
Eine Wüste kann ich sehen,
Trocken, überhitzt.
Ich entdecke steile Felsen
Aus erstarrtem, kaltem Stein.
Ich seh Beben Erde wälzen,
Berge Feuer spein.

Mal betret ich grüne Wiesen
Unter blauem Firmament,
Ahnend, dass mitten in diesen
Schwarz ein Abgrund brennt.
Mal gelang ich in verquere
Gärten, Wälder, bunten Twist…
Doch dahinter gähnt die Leere,
Grau und fad und trist.

Selten nur, wenn ich mich quäle
In die Welten ganz weit fern,
In den Tiefen mancher Seele
Find ich einen Kern.
Einen Kern inmitten grober
Matter Erde, Schlamm und Sand.
Klar und rein und unzerstörbar
Wie ein Diamant.

(Mai 2017)

Für Paul Varley.

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