Das Leben und die Welt

Mein zweites, ernst gemeintes deutsches Gedicht. Geschrieben 2006. Es ist sehr düster, aber ich mag es.

Das Leben und die Welt

Von treuen Sorgenden umstellt,
Nickt vor sich hin die heile Welt.
Und außerhalb, im düstren Kaff,
Ein Leben findet keinen Schlaf.

Es schmort und blutet feuerrot,
Es schreit und zu zerfallen droht
Zu Ruß und Staub, vom Mond erhellt…
Es neidet die vereinte Welt.

Einst, unsrem Leben still und leis
Erscheint ein Geist und flüstert weis:
„Mein Freund, Du leidest Höllenqual,
Als fehle Dir die Chance, die Wahl

Zu einem Los, befreit von Schmerz.
Erschlafft und mutlos ist Dein Herz.
Doch Freund, Du flehst und plagst umsonst:
Besitzt du doch, was Dir nur gönnst;

Indessen steht – wagst du die Schlacht –
Ein Mehr sehr wohl in Deiner Macht.
So richt Dich auf und zieh Dein Schwert
Und jag, was Dir das Herz erschwert,

Was dir den Schlaf raubt schwarzer Nacht,
Was Dir das Elend beigebracht,
Was Dich zerbrochen, Dich zerstört,
Wem düstre Rache Du geschwört,

Weil’s Dich gebracht um Freud und Glück.
Jag’s und zerteil’s in tausend Stück.
Und Du wirst frei von Not und Leid,
Ein Herrscher über Raum und Zeit…“

Und so ward’s leicht, wie er gesagt…
Ein Rat der Gruft im Mondschein tagt,
Ein Wort, ein Zuruf, ein Entschluss,
Ein dumpfer Knall, ein Feuerschuss,

Ein Flehn, verzweifelt, angsterfüllt,
Ein Bösewicht, den Blick verhüllt,
Ein schwarzer Schleier, weiße Hand,
Ein hasserfüllter Augenrand,

Ein schriller Ruf, ein wilder Kampf,
Ein Monument aus Rauch und Dampf,
Ein Krieg, ein Sieg, ein lauter Schrei…
Das Leben eins. Die Welt entzwei.

(2006)

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