„Phidile“ modernisiert

In der 12-ten Klasse hatten wir mal in Deutsch die Hausaufgabe, das Gedicht „Phidile“ von Matthias Claudius (1740-1815) auf die moderne Art zu interpretieren. In Prosa, versteht sich. Na ich, natürlich, musste angeben und schrieb das ganze als Gedicht auf.

Hier ist die „Phidile“ von Matthias Claudius.

Und hier ist meine…

„Phidile“ modernisiert

Ich war bald sechszehn Jahre alt —
Nicht mehr zu jung, noch nicht zu alt.
Gelebt hab ich im kleinen Ort,
Verbrachte jede Stunde dort.
Drum an der Kenntnis unsrer Welt,
Da hat’s mir aber echt gefehlt.

Einmal, da reiste plötzlich an
In unserm Dorf ein junger Mann
Aus der Zivilisation.
Er war auf ner Exkursion
Bei uns. Es war der tollste Knab,
Den jemals ich gesehen hab.

Er hatte langes, dunkles Haar,
Das einfach zum Erliegen war.
Im Antlitz war er rötlich blass
Und wenn er sprach in tiefem Bass,
Da konnt ich lauschen Tag und Nacht.
Doch hätte dies kein Sinn gemacht.

Denn, als das Mädelein vom Ort,
Verstand von all dem ich kein Wort.
Der Mann sprach mir die Ohren voll,
Doch ich begriff nicht, was das soll.
Er hat geseufzt, er hat geheult —
Ich wusste nicht, was er gewollt.

Dann ging er fort. Es war zu viel
Für ihn, den Mensch, der mir gefiel.
Er war verzweifelt, war verletzt.
Erfahren hab ich nicht bis jetzt,
Was er versucht mit solcher Qual.
Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal…

(2002)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *