Der Seelenlose und sein Feind

Mein erstes deutsches Gedicht, das, sozusagen, ernst gemeint ist. Es stammt von 2005. Als ich es geschrieben habe, wusste ich noch gar nicht, um wen es geht. Wer der erste ist, wer der zweite. Wer gewinnt, wer verliert. Doch später verteilte das Leben die Rollen. Es passierten Geschichten, die entschieden, wer am Duell teilnimmt, wer siegt, wer verliert. Mit jeder weiteren Geschichte wurden die Karten neu gemischt…

Der Seelenlose und sein Feind

Es war einmal im Land der Träume.
Dort schien die Sonne hell und heiß
Ins tiefste Eck der Lebensräume.
Da gab ein Mensch die Seele preis.

Die Welt erschwang in Teufelskreisen.
Er quälte sich, dafür die Welt.
In raffinierten Vorschrittsweisen
Erbrachte er dem Frust Entgelt.

Er war die Sünde, war das Böse,
Das rote Licht, das Gitterstab.
Eiskalt zerbarst er zahlreich Lose,
Verbann ihr Wohl ins düstre Grab.

Er war ein Gegner jeder Sitte.
Er brach das Heil, das Wohl, das Gut.
Unheilbar jeder seiner Schritte
Und tödlich all, was er je tut.

Dann kam ein seelenloser Andrer,
Wie aus dem Jenseits auferwacht.
Ein streitgesinnter Müßigwandrer,
Verführte er den Feind zur Schlacht.

Kaum merklich, schweigend, gestensprechend,
Entstand der Krieg im Tal der Glut.
Ein Meer an Blutrunst, wellenbrechend,
Des Grauens Trunk, des Hasses Sud.

Es schoss und stürmte durch die Glieder,
Es schrie und heulte durch die Nacht,
Es schwang infam und schloss perfide.
Und einst… da war ein Sieg vollbracht.

* * *

Mein Freund, es war ein faires Wetten.
Doch die Partie, die geht an Dich.
Es ehrt mich, dass im Kampfe steten
Uns messen konnten Du und ich.

Nun ist’s vorbei, das Spiel zu Ende.
Der Lauf der Welt, so steil und krumm,
Will, dass es sich hiermit bewende.
Und irgendwie doch schade drum…

Doch vom Bedauern sich zu lösen,
Verlangt es mich in unsrer Welt –
Und diesem Stück, dem Werk vom Bösen…
Das Licht geht aus. Der Vorhang fällt.

(2005)

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